Wallfahrer ziehen durch das Land

16.05.2017

Mainpost 16.05.2017

LINDACH

Wallfahrer ziehen durch das Land

Alljährlich am zweiten Sonntag im Mai pilgern die Lindacher zum Gnadenbild „Maria im Rosenkranz“ zum nahen Kirchberg bei Volkach. „Beim frühen Morgenlicht“, einem alten Kirchenlied zufolge, das die örtliche Blaskapelle beim Auszug aus dem Dorf intonierte, machten sich etwa 60 Teilnehmer auf den sieben Kilometer langen Fußmarsch, wobei auch einige Kinder dabei waren. Wer weniger gut zu Fuß war, fuhr mit dem Auto zum Wallfahrtsort, so dass letztlich etwa 80 Gläubige am Wallfahrtsgottesdienst teilnahmen. Die Lindacher Kirchbergwallfahrt nahm in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihren Anfang. Auf diese Zeit weist auch eine örtliche Kirchenglocke hin, die aus Dankbarkeit von Kirchbergwallfahrern gestiftet wurde. Frühere Chronisten wussten zu berichten, dass der Ort mehrmals von schweren Spätfrösten heimgesucht wurde, die die Ernte in den Wein- und Obstgärten vernichteten. Auch brachen in den Ställen der Bauern oft verheerende Viehseuchen aus, die die Existenz der Landbewohner bedrohten.

Angesichts dieser Katastrophen gelobten die Lindacher einst, einen Bittgang zum Kirchberg, um die Gottesmutter Maria als Fürsprecherin bei Jesus zu gewinnen, damit er größere Übel in den Ställen, in den Gärten und auf den Feldern abwenden möge. Auch einige Bildstöcke stehen als stumme steinerne Zeugen dieser schlimmen Ereignisse am Rande dieses historischen Wallfahrtsweges. In den 1960er-Jahren kam diese Wallfahrt zum Erliegen. Erst 1991 erinnerte man sich an diese Wallfahrtstradition. Vielen Lindachern macht es Freude, in früher Stunde bei Gebet und Gesang durch die erwachende Natur zu pilgern. In der heutigen Zeit suchen viele Wallfahrer vom Stress des Alltagslebens einmal abzuschalten, um in der freien Natur bewusst und unmittelbar Gottes Nähe zu suchen, um so die Allmacht des Schöpfers zu bewundern. Bei einer Wallfahrt mache man sich auf den Weg zu seinem Gott, denn hier sei der Weg das Ziel, wie Pfarrer Daminan Ikejiama in seiner Wallfahrtspredigt zum Ausdruck brachte.

 

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